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Wie man Monster erschafft!

Gehirn im Glas? Oder doch nur Blumenkohl?

Seit einiger Zeit arbeite ich als Coach und Berater für Führungskräfte und begleite Menschen durch verschiedene Lebenssituationen durch. Vom Chef, der über seine Mitarbeiter klagt, vom Mitarbeiter, der über seinen Chef klagt über Menschen mit Liebeskummer bis zu Menschen, die sich wieder ins Arbeitsleben integrieren möchten.

Ein Phänomen, das mir dabei immer wieder begegnet ist folgendes:

Eine Klientin berichtete mir, dass sie vermute – nein weiß -, dass ihr Lebensgefährte sie mit einer anderen Frau betrog. Woher sie das wisse, fragte ich, und erhielt eine Zahl von Indizien und Verdächtigungen wie „er ist in letzter Zeit länger auf Arbeit als sonst“, „er ist zu Hause häufig geistig abwesend“, „er hat vor kurzem mit Sport angefangen“ oder „sein Wunsch nach Sex hat nachgelassen“. Das könne nur eins bedeuten: er hat eine andere. 

Ein anderer Klient erklärte mir, dass seine Kollegin hinter seinem Rücken über ihn sprechen und ihn am liebsten rausmobben würden und dass sein Chef da jetzt mitmacht. Wie er darauf käme, fragte ich und erhielt wieder eine Reihe von unkonkreten Verdächtigungen. Als ich den Klienten einfach mal habe reden lassen, kam ungefähr folgende Story heraus. Er glaube, dass seine Kollegin mit dem Chef ein Verhältnis habe und sie glaube, mein Klient wisse davon und dass sie ihn deswegen „aus dem Weg“ räumen möchte. Aber da man ihn nicht einfach kündigen könne, würde sie ihn systematisch fertig machen wollen. Früher ist man noch zusammen in die Betriebskantine zum Essen gegangen, seit einiger Zeit nur noch selten und dabei wäre sie immer wortkarger geworden. Sie schaue immer grimmiger und der Chef schütze sie auch noch indem er ihr „für ein Projekt ein Einzelbüro“ gegeben habe, indem sie sich zurückgezogen habe.

Da diese Situation am Selbstwertgefühl meines Klienten stark gearbeitet hat, haben wir uns auf die Entwicklung seiner kommunikativen Fähigkeiten und an seinem Mut gearbeitet, die Kollegin auf die Ereignisse wertschätzend und wohlwollend anzusprechen (Empathische Kommunikation). Mit folgendem Ergebnis: Die Kollegin leidet seit einiger Zeit an einer Krankheit, die bei ihr starke chronische Schmerzen hervorruft. Sie muss ihre Arbeit häufig unterbrechen, bekommt Weinkrämpfe und schämt sich für ihre verminderte Arbeitsleistung. Der Chef hatte ihr aus diesem Grund ein Einzelbüro angeboten, da er ihrem Wunsch nach mehr Privatsphäre lieber entsprechen mochte, als sie dauerhaft in den Krankenstand zu verlieren. Auf ihren Wunsch hin, wurde jedoch der Grund dieser Veränderungen nicht kommuniziert.

Mein Klient hatte sich parallel eine andere Geschichte dazu gedichtet. Die beiden haben was miteinander und wollen ihn ausgrenzen.

Unser Gehirn füllt die Lücken selbständig auf, nicht immer sinnvoll

Wenn unserem Gehirn Informationen fehlen, füllt es diese Lücken selbständig aus und nutzt dazu bereits erlebtes, gesehenes oder phantasiertes. Man kennt es von optischen Täuschungen.

Bei zwischenmenschlichen Kontakten ist dieses Phänomen aber durchaus gefährlich, weil man sich dadurch Monster erschafft. Häufig begegnen mir Sätze, die mit „bestimmt“, „vermutlich“ oder „wahrscheinlich“ eingeleitet werden und offenbaren, dass man offensichtlich nicht alle Informationen hat, um sich ein korrektes Bild zu machen. Dabei ist es egal, ob man zu zweit, zu viert oder alleine seine Vermutungen anstellt. Das Ergebnis ist immer eines: falsch.

Auch in der Literatur findet sich dieses Phänomen wieder, beispielsweise in Paul Watzlawicks Hammer-Geschichte, in der ein Mann sich von seinem Nachbarn einen Hammer leihen möchte, sich auf dem Weg dahin wilde Gedanken über das Verhalten des Nachbarn in der jüngsten Vergangenheit macht und ihn schließlich an der Tür anbrüllt, eher er „Guten Tag“ sagen kann: „Behalten Sie Ihren Hammer“ .

Wohlwollend und wertschätzend kommunizieren

Besonders bei Beziehungsfragen oder im Arbeitskontext begegnet mir in den Coachings dieses Phänomen sehr häufig. Die erfolgreichsten Methoden, dem Herr oder Frau zu werden, sind folgende: wertschätzende und wohlwollende Kommunikation, Vertrauen und Denkmuster-Unterbrecher. Die Klienten lernen dabei zunächst, Fakten von Phantasie zu trennen und damit Wahrnehmung vor die Interpretation zu stellen. Dabei entstehen häufig schon die ersten Erkenntnisse. Als nächster Schritt ist es wichtig, sich selbst in eine wohlwollende und Wertschätzende Haltung zu bringen, denn die andere Person ist genauso Mensch wie man selbst und hat es verdient vorbehaltlos und vorurteilsfrei behandelt zu werden. GfK nach Rosenberg zum Beispiel ist ebenfalls wie Covey’s Habbit „Erst verstehen, dann verstanden werden“ ein guter Kommunikationsansatz, um das Rätsel um die Person zu lüften. Wenn man dann noch etwas Vertrauen schenkt, erkennt man schnell, dass die erschaffenen Monster sich auflösen und man doch sehr viel mehr Verständnis und Gemeinsamkeiten zu seinem Gegenüber findet.

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